Einfangen der Ausgebüchsten

Es klingt, wie in einem Film; Ein unerwarteter Anruf am frühen Vorabend lässt das Gesicht des Hobbyimkers im Kreise seiner Familie verfinstern. Während er schweigend den Ausführungen des Anrufers lauscht, lassen seine Augenbrauen erahnen, dass er bereits an einer Lösung in seinem Kopf arbeitet.

Ein Schwarm Bienen hatte sich auf einem Privatgrundstück in einen Baum eingenistet, und der Besitzer wollte die Gäste loswerden. Im Erzgebirge kennt man immer jemanden der jemanden kennt, der helfen kann.

Über die Wichtigkeit der Bienen für Mensch und Natur möchte ich hier nicht referieren, das sollte so ziemlich jeder Begriffen haben, der in den Genuss kam eine Grundschule zu besuchen.

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“ (Zitat Albert Einstein, 1949).

Abgesehen davon schätzen es die wenigsten Menschen, einen wilden Schwarm Bienen im Garten hängen zu haben, schlimmstenfalls noch über dem Sandkasten oder der Hollywoodschaukel. Wenn dann noch Personen im Umfeld allergisch auf Bienenstiche reagieren sollten, wird es kritisch. Dann ruft man solche Menschen an, die mit zwei Eimern, einer Entenfeder, einer Sprühflasche sowie viel Geduld und Einfühlungsvermögen anrücken, um die Gefahr für beide Seiten zu bannen.

Ich hatte also spontan die Gelegenheit mir meine Kamera zu schnappen und die prognostizierten 2-3 Stunden mitzufahren, oder den Abend daheim vor dem Fernseher ausklingen zu lassen. Doch w3nn ein Abenteuer ruft, sag ich in der Regel selten nein, mag es auch noch so überschaubar anmuten.

So machten wir uns auf den Weg ins Ungewisse, nach einer halben Stunde Fahrt dann erleichtert feststellend, dass die Bienentraube nicht wie befürchtet in 8 Metern Höhe hing, sondern auf geschmeidigen 2. In anderen Fällen ist bereits das Herankommen an die Ausgebüchsten tricky und erschwert somit Einiges.

Zunächst wird also die Lage analysiert und die Klappleiter aufgebaut. Die Bienen hängen dicht an dicht um die Königin in deren Zentrum herum und werden ihr folgen, wo immer sie hinfliegt – oder eben transferiert wird (ein Wissen, welches das Einfangen erst ermöglicht).

Zunächst werden die Bienen aber mit Klarem Wasser mittels Sprühflasche besänftigt. Mit der Feder wird das Zentrum des Volkes vorsichtig in einen mit Atmungs- und Schlupflöchern präparierter Eimer geschoben und der Deckel verschlossen. Bestenfalls hat man die Königin mit erwischt, in unserm allerdings befanden sich nach dem ersten Abkehren noch so viele Bienen am Ast, dass auch diese in einen Zweiten Eimer befördert wurden.

Dann heißt es: Warten. Die Königin kommt aufgrund ihrer Körpergröße nicht aus dem Eimer heraus, die Bienen wollen zur Queen und klettern herein. Was in der Theorie einfach und zügig klingt, dauert in der Praxis so seine Zeit. Wir waren zwischenzeitlich noch Kaltgetränke und Erdnussflips einkaufen, und machten es uns an einem Gartentisch bequem.

 

Gut drei Stunden nach unserm Erstkontakt mit dem Schwarm waren die Bienen aus dem zweiten Eimer in den ersteren Umgezogen, und auch die letzten Heimkehrer tummelten sich an den Eingängen. Da ihn sonst niemand haben wollte, sollte der Imker die Bienen am nächsten Tag abholen und bei sich als neues Volk in eine Zarge setzen. Win-Win-Win, und wieder was gelernt

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