Kalte Füße bekommen

Kurztrip nach Aue. Nachdem an diesem Wochenende sowohl der Sonnenuntergang am Freitag Abend als auch die Panoramafotografie Sonnabends Früh am Auersberg für mich flach fielen, zog ich relativ spontan los, um mich dann doch noch mal fotografisch zu betätigen. Der Himmel war zwar bewölkt, aber es war warm und die Sonne blitzte hin und wieder mal durch die Wolken. Und es gibt schließlich kaum schlimmeres in der Landschaftsfotografie, als ein reinblauer oder aschgrauer Himmel.

Vor sechs Jahren war ich schonmal an der Hakenkrümme am Schwarzwasser, und diese verschwommene Erinnerung bescherte mir jetzt mein Ziel.

Hakenkrümme am Wasser

 

Eine Wage Wegbeschreibung sowie die im Gelände manchmal wenig tauglichen Google Maps führten mich zunächst in eine Sackgasse – nicht zum ersten Mal, das ist wohl der Preis wenn man gern bewusst frei herumstreunert. Ich musste jedenfalls auf die gegenüberliegende Uferseite, und der Rückweg würde mich Zeit und Kraft kosten.

Ein gutgelaunter, zum plaudern aufgelegter Hundebesitzer ermutigte mich jedoch, einfach quer durch den Fluss zu laufen. Das Wasser sei nicht tief, und die Badelatschen hätt ich ja schon an (ich nenne sie Outdoorsandalen). Er hielt mich vermutlich für nen planlosen Wessi in der Wildnis, und so gebot es mir mein Stolz mich mutig, der Strömung widersetzend, über glitschige Steine und feinen Kies kreuz und quer nach den seichtesten Stellen durch den Fluss zu waten. Das Wasser ging mir maximal nur bis zu den Knien, doch meine Sorge galt einzig meinem Fotorucksack. Der Kerl sah mir noch zu, bis ich sicher das rettende Ufer erreichte, vielleicht machte er sich Sorgen ob ich es packe, oder hoffte insgeheim mich ausrutschen zu sehen.

Zielfoto war für mich zunächst die Aussicht auf einen hohen Felsen von der Gegenüberliegenden Seite aus.

Hakenkrümme Felssicht

 

Auf dem Weg den Berg rauf entdeckte ich eine interessante Stelle für mein Stativ, die ich mir für später merken wollte, denn der Himmel sollte aufklaren. Am Zielort angekommen musste ich erst einmal klettern, einen Felsen runter und einen Abhang rauf um wieder einen Felsen runter zu machen. Ich stellte fest, dass der Spot entweder für ein ansprechendes Landschaftsbild völlig ungeeignet ist, oder meine Fähigkeiten zu limitiert sind. Langzeitbelichtungen sind wegen dem Gestrüpp und dem Wind kaum möglich, ein separieren der Elemente sieht langweilig aus.

Nach einer guten Weile machte ich zurück zu der Stelle im Seichteren Wasser mit Blick auf eine Bahnbrücke, Uferböschung sowie interessanten Steinen im Fluss. An dieser Stelle stand ich bis zu den Unterschenkeln im Fluss, bei der Wärme zunächst eine Wohltat. Nach einigen Testbildern konnte ich hier schließlich meine Langzeitbelichtung machen. Zusätzlich brauchte ich ein Bild mit kurzer Belichtung da die Baumwipfel ja bei 13 Sekunden ebenfalls verschwimmen, die Bilder sollte ich später in Photoshop zusammen fügen.

Bahnbrücke über demSchwarzwasser an der Hakenkrümme

Während der Aufnahmen fuhr für mich urplötzlich ein Zug über die Brücke (im Nachhinein wenig verwunderlich) und brachte mich auf eine Idee; Wenn dieser nun nach Aue einfährt, kommt bestimmt gleich der Gegenzug. Also änderte ich die Perspektive, stellte die Kamera ein und behielt den Fernauslöser in der Hand um Abdrücken zu können – nochmal sollte ich ihn nicht verpassen!

Die Bahn kam und kam aber nicht, und so stand ich da im Fluss und konnte nicht weg, die Füße langsam kalt, den Rucksack auf dem Rücken, Auslöser in der Hand. Mein Handy ist ne echte Niete und konnte mir aufgrund mangelnder Leistung nicht die Bahnverbindungen von Aue weg ausspucken. Das Tablet wollte ich lieber nicht aus dem Rucksack holen, und zum Ufer war es ein Stück und das Stativ stand schließlich im Kies im fließenden Wasser – vielleicht nicht die beste Idee, es allein zu lassen. So wartete ich…

Nach einer guten dreiviertel Stunde kam die Bahn dann doch noch, auch aus der richtigen Richtung.

Erzgebirgsbahn über dem Schwarzwasser

Leider wurde mir schon während der Serienaufnahme bewusst, das 1/50 Sekunden zu lang sein müssten. Und so kam es, die Bewegung ist zwar sichtbar, aber für meinen Geschmack doch zu viel. Wieder was gelernt.

 

Den Rückweg trat ich euphorisch über das Industriegebiet an, und konnte noch den ein- oder anderen Schnappschuss mitnehmen. Geil war’s, des kleinen Mannes Abenteuer.

Galerie zum Ausflug

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